Scuddy – Übernahme durch die Krankenkasse

Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, aber es ist möglich.

Eine Krankenkasse übernimmt in der Regel die Kosten, die medizinisch notwendig sind. Und das ist der Knackpunkt: denn der Scuddy bietet in einigen Punkten mehr, als es bei anderen Mobilitätshilfen der Fall ist. Wenn dieses „Mehr“ medizinisch notwendig ist, stehen die Chancen gut, dass der Scuddy durch die Krankenkasse bezahlt wird.

  • mache eine Probefahrt, um gemeinsam die notwendige Konfiguration abstimmen zu können und zu schauen, ob der Scuddy „passt“
  • gehe zum Arzt oder zur Ärztin, bereite Dich darauf aber bitte vor – nutze dafür gern die folgenden Hilfen
  • melde Dich dann bei uns, auf der Grundlage des Rezept-Inhaltes erstellen wir ein passendes Angebot (in dem wir auch Bezug auf die erfolgreiche Probefahrt nehmen)
  • reiche das Rezept zusammen mit unserem Angebot und ggf. einem persönlichen Anschreiben bei der Krankenkasse ein (beim Anschreiben unterstützen wir gern, damit nicht unnötig Steine in den Weg gelegt werden)
  • wenn die Zusage der Krankenkasse da ist, kannst Du den Scuddy bei uns bestellen
  • der Scuddy wird vom Hersteller direkt zu Dir nach Hause geliefert, fertig aufgebaut und sofort fahrfertig

Viele Sanitätshaus-Produkte bleiben im Eigentum des Sanitätshauses oder der Krankenkasse und werden nur für wenige Jahre zur Nutzung überlassen, danach müssen sie zurückgegeben werden.

Wenn ihr den Scuddy bei uns kauft, wird er Euer Eigentum. Deshalb sind unser Angebot und unsere Rechnung immer direkt an Euch adressiert, nicht an die Krankenkasse. Das ist der Grund, warum ihr die Kostenübernahme selbst bei der Krankenkasse beantragt. Wir unterstützen Euch dabei bestmöglich, damit ihr mit dem Scuddy (wieder) mobil am Alltagsleben teilhaben könnt.

Krankenkassen versuchen möglichst immer, mit „Standard-Methoden“ auszukommen. Wenn es also im Sanitätshaus ein Fahrzeug gibt, das zum Rezept passt, wird ein Scuddy nicht übernommen.

Die folgenden Merkmale erfüllen fast alle Fahrzeuge, das hilft im Rezept deshalb wenig:

  • starre Hinterachse
  • erhöhte Stabilität
  • persönliche Stabilität
  • geringe Einstiegshöhe
  • Fußablage
  • Armlehnen

Einzelne Punkte davon zu nennen ist nicht falsch, aber es reicht nicht. Beachte, dass der Platz für den Text beim Rezept oft sehr begrenzt ist.

Nachfolgend nennen wir Eigenschaften und Optionen, die bei vielen vergleichbaren Fahrzeugen nicht vorhanden oder nicht möglich sind. Bitte prüfe, ob und welche davon für Dein Krankheitsbild relevant sind. Notiere sie Dir, damit Du das gezielt mit Deinem Arzt besprechen kannst. Die Formulierungen sind nur Empfehlungen.

Das Rezept sollte ergebnisoffen sein! Es sollten deshalb nicht die Marke „Scuddy“ oder entsprechende Marketing-Begriffe (wie „Curving-Fahrwerk“ etc.) genannt werden. Es sollte auch die Nennung von „Freizeit“ oder „Urlaub“ oder „Ausflüge“ bzw. „Spaß“ vermieden werden. Wichtig ist dagegen zum Beispiel „Erschließung des Nahbereichs“, „Teilnahme am gesellschaftlichen Leben“, „Erreichen von Ärzten“ oder „Einkäufe des täglichen Bedarfs“ – also die medizinische Notwendigkeit.

Einleitend könnte zum Beispiel stehen:

  • Elektromobil 15 km/h
  • Krankenfahrstuhl 15 km/h

Überzeugt Euren Arzt, dass eine 6 km/h-Version nicht reicht, sondern 15 km/h benötigt werden – zum Beispiel, um zur Therapie zu kommen oder selbstständig (wieder) weitere Wege zurücklegen zu können – zum Beispiel auch zum Einkaufen.

Krankenkassen übernehmen in der Regel nur medizinisch notwendige Lösungen – das wäre die Scuddy-Version als Krankenfahrstuhl mit 15 km/h. Der Scuddy kann aber dennoch als Mofa mit 20 oder 25 km/h gebaut werden: als separate Rechnung mit eigener Mehrkostenübernahme dieser Option (200 €) – die Rechnung gegenüber der Krankenkasse bleibt damit ein Krankenfahrstuhl.

  • Unebenen-ausgleichendes Fahrwerk (keine 2 Starr-Achsen)

Viele vergleichbare Fahrzeuge haben alle 4 Räder fest am Rahmen und können damit keine Unebenheiten ausgleichen. Beim Scuddy hat die Vorderachse ein eigenes Fahrwerk und kann sich damit dem Untergrund anpassen, um damit noch stabiler unterwegs zu sein.

  • individuell anpassbares Sitzsystem

Beim Scuddy könnt ihr die Höhe des Sitzes ändern, ebenso die Neigung der Lehne beim ProActiv-Sitz. Zudem lassen sich beim ProActiv-Sitz die Rückenzonen mit 4 separaten Spannbändern individuell einstellen. Bei vielen Sanitätshaus-Mobilen sind die Sitzfläche und Lehne fest in den Aufbau des Fahrzeugs integriert und können überhaupt nicht an die individuellen Anforderungen angepasst werden.

  • Größe des Sitzes anpassbar

Beim ProActiv-Sitz können andere Maße als die Standard-Konfiguration bestellt werden. Zum Beispiel wenn die Hüfte etwas breiter ist oder eine höhere Rückenlehne benötigt wird – alle Maße sind frei konfigurierbar.

  • drehbarer Sitz

Sitz lässt sich zum Auf- und Absteigen 360° drehen (und arretieren).

  • hohe Sitzeinstellung möglich

Hilfreich für größere Personen oder bei Unbeweglichkeit eines Beins.

  • Zusatzfederung zur Entkopplung von Fahrbahnstößen

Bei der Zentralsattelstütze kann eine Parallelogramm-Federung gewählt werden, beim ProActiv-Sitz gibt es seit Ende 2025 eine ganz neue deutlich intensivere Federung direkt in den beiden Stützen. Diese Federung ist zum Beispiel bei Wirbelsäulenverletzungen relevant. Hier könnte dann auch noch deutlich zum Beispiel „Systeme mit starrer Stoßübertragung sind wg. Gefährdung der LWS (Verschlechterungsgefahr) ungeeignet.“ genannt werden.

  • individuell anpassbarer Lenker

Der Lenker des Scuddy lässt sich nicht nur in der Höhe verstellen, auch die Neigung der gesamten Lenkstange (oben) lässt sich anpassen.

  • Steuerung anpassbar für Bedienung nur mit linker/rechter Hand

Beim Scuddy kann der Gasdrehgriff und der Daumen-Rekuperations-Griff in einen 2-Wege-Gasdrehgriff zusammengeführt werden – dieser kann zudem sowohl links als auch rechts am Lenker montiert werden. Wichtig ist das zum Beispiel, wenn einer der beiden Arme nicht mehr (vollständig) eingesetzt werden.

  • entnehmbarer leichter Akku

Das ist zum Beispiel relevant, wenn am Abstellort keine Steckdose vorhanden ist. Beim Scuddy kann der Akku unabhängig vom Fahrzeug geladen werden und wiegt nur wenige Kilogramm.

  • faltbar & leicht für Transport zu Therapiezwecken

Beim Scuddy lässt sich mit wenigen Handgriffen der Sitz rausnehmen und die Lenkstange runterklappen. Damit kann man ihn zum Beispiel einfach ins Auto einladen (in den Kofferraum, die Hälfte der Rücksitzbank umklappen). Das Gewicht sinkt somit auch unter 30 kg, dabei reicht es, beim Einladen in den Kofferraum zuerst die hintere Hälfte kurz anzuheben und abzustellen und nach dem Anziehen der Handbremse den Vorderteil anzuheben und den Scuddy reinzurollen.

  • kompakte Maße

Zum Beispiel zur Nutzung in Aufzügen und bei engen Tür-Durchgängen. Aber auch zum Abstellen im Hausflur (der zusammengeklappte Scuddy kann „hochkant“ stehen und nimmt damit noch weniger Platz ein).

  • hohe Zuladung

Insbesondere für Menschen mit höherem Körpergewicht: Der Scuddy kann bis 200 kg Zuladung.

  • große Steigfähigkeit

Insbesondere wichtig bei Wohnung oder anzufahrenden Stellen in Hanglage oder bei notwendiger Nutzung einer (steilen) Rampe. Viele andere Fahrzeuge haben nur einen Motor an einem Rad, das entsprechende Rad dreht schnell durch. Der Scuddy kann 2 angetriebene Räder haben, zudem Geländebereifung – er schafft damit bis 20 % Steigung.

  • wintertauglich bzw. ganzjährig nutzbar

Beim Scuddy können – im Gegensatz zu vielen anderen Fahrzeugen – beide Hinterräder angetrieben sein. Zudem können „Geländereifen“ ausgewählt werden. Damit kann er auch bei Schnee oder auf nassem Laub sicher verwendet werden – denn Mobilität für zum Beispiel Einkäufe ist ganzjährig nötig.

  • Halterung für Stock/Stöcke oder Rollator

Der Scuddy kann mit einer Stockhalterung konfiguriert werden. Seit Ende 2025 ist am ProActiv-Sitz sogar eine Rollator-Halterung möglich.

  • mit Blinker möglich

Je nach individuellen Wegen ist es sinnvoll, vor dem Abbiegen den Richtungswechsel anzukündigen – auch auf Fußwegen. Aber was, wenn die Arme nur eingeschränkt nutzbar sind? Zudem kann man nicht gleichzeitig am Beschleunigungsgriff ziehen und den gleichen Arm raushalten. Deshalb können beim Scuddy optional Blinker mit verbaut werden.

  • bremst eigenständig ab

Den Scuddy kann man selbst unterschiedlich einstellen. Beim Beschleunigungsgriff kann man zum Beispiel wählen, was der Scuddy macht, sobald man den Griff loslässt. Entweder er rollt dann mit dem vorhandenen Schwung weiter – oder er nutzt die Motorbremse und bremst das Fahrzeug damit aktiv runter – so haben wir es in der Regel auch bei unseren Vorführfahrzeugen eingestellt. Hierbei kann man auch die Intensität selbst einstellen.

Wenn also während der Fahrt plötzlich die motorischen Fähigkeiten versagen, dann muss man nicht noch aktiv bremsen, um langsamer zu werden. Es reicht, einfach den Beschleunigungsgriff loszulassen, um aktiv abzubremsen.

  • Tempomat

Wenn es nicht möglich ist, den Beschleunigungsgriff dauerhaft zu halten: bei mehr als Schritttempo kann ein Tempomat aktiviert werden, der die Geschwindigkeit hält. Sobald man bremst, geht der Tempomat automatisch sofort aus.

Bitte beachte, dass dies keine Rechtsberatung ist und wir diese nicht geben können. Mit unseren Hinweisen wird keinerlei Gewähr übernommen, ob eine Krankenkasse die Kosten übernimmt – oder zumindest teilweise. Oder ob sie die Kostenübernahme ggf. komplett ablehnt.

Nutzt unsere Hinweise gern dafür, wofür wir sie gemacht haben: als Orientierungshilfe.